Ein Energieaudit nach DIN EN 16247 muss mindestens 90 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs
abdecken. Abdecken heißt nicht messen. Innerhalb dieser Grenze darf der Auditor Verbräuche
den Anlagen rechnerisch zuordnen — er muss die Schätzung nur als solche kennzeichnen und
begründen. Wie viel davon in Ihrem Betrieb geschätzt wurde, steht im letzten Auditbericht,
im Kapitel zum Ist-Zustand.
Für den Bericht genügt das. Für eine Investitionsentscheidung nicht. Wer eine Anlage
austauscht, deren Verbrauchsanteil geschätzt wurde, kennt weder die Einsparung noch die
Amortisationszeit genau genug — und kann hinterher nicht belegen, dass die Einsparung
eingetreten ist. Für einsparungsbasierte Förderprogramme ist genau dieser Nachweis die
Voraussetzung.
Diese Beratung schafft die Datengrundlage, bevor jemand darauf rechnet. Am Anfang steht das
Mess- und Zählerkonzept: Verteilerplan digitalisieren, Messstellen festlegen und entscheiden,
welche davon dauerhaft messen und welche nur über eine befristete Kampagne. Daraus werden
Stückliste und Topologieplan.
Beschafft und installiert wird über Ihren Elektrofachbetrieb. Dabei unterstütze ich: Die
Stückliste ist so geschrieben, dass sich eine Ausschreibung daraus machen lässt, ich prüfe
die eingehenden Angebote gegen die Spezifikation und begleite die Inbetriebnahme.
Anschließend binde ich ein, was ohnehin schon Daten liefert: Kompressoren, Pumpen,
Frequenzumrichter, vorhandene Messgeräte.
In der Auswertung entstehen Zählerbaum, Lastgänge und die Kennzahlen, an denen sich der
Betrieb künftig messen lässt. Am Ende stehen eine belastbare Baseline und ein
Einsparfahrplan, in dem jede Maßnahme mit Einsparung, Investitionsbedarf und
Amortisationszeit steht.
Rechnen Sie mit Zeit. Nach der Installation braucht es etwa zwei bis drei Monate Messbetrieb,
bis die Auswertung belastbar ist. Und die Kampagne muss den Betriebszustand treffen, um den
es geht: Wer wissen will, was die Heizung zieht, misst über den Heizbeginn im Herbst. Wer die
Kälteerzeugung sucht, braucht die warmen Monate — Kältemaschinen, Serverräume und freie
Kühlung zeigen sich erst dann. Wer beides sehen will, kommt an einem vollen Jahr nicht
vorbei, und dann ist die feste Installation die naheliegendere Antwort.
Messtechnik, Sensorik und Energiemanagement-Software sind über die Bundesförderung für
Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft förderfähig, Modul 3. Die Förderberatung
gehört zu dieser Leistung. Entscheidend ist die Reihenfolge: Der Antrag muss bewilligt sein,
bevor das Vorhaben beginnt.
Das Energieaudit selbst führt in diesem Fall ein anderer Auditor durch. Wer die
Datengrundlage von mir bekommt, bekommt das Audit nicht von mir — ich prüfte sonst meine
eigene Vorarbeit.